Dienstag, 12. Oktober 2010

Genickstarre im Redwood Nationalpark


Genickstarre im Redwod Nationalpark




Liebe Grüsse aus Kalifornien - dem Sunshine State! Vor 3 Tagen haben wir Oregon mit einer Träne im Knopfloch verlassen, denn es hat uns total gut gefallen. Die Pazifikküste in Oregon ist wild und einfach traumhaft. Nichts für Sonnenanbeter und All Inclusive Urlauber, keine Palmen an langen weissen Stränden, keine Mädels in Bikini und keine Strandbars, Sonnenschirme oder Liegestühle. Dafür bizarre Felsformationen, die von wogenden Wellen umspült werden, spritzende Gischt, die bis über den Highway reicht, Strände mit jeder Menge Treibholz (die geniessen die Amerikaner auch - im Auto sitzend miot laufendem Motor), Wale und Seelöwen, einsame Buchten, Leuchttürme, Capes, Wald,... und viel Sonnenschein...! Daran hat sich aber bisher nicht viel geändert! Zu unserem Glück, denn so könnte es für uns endlos weiter gehen. Das einzige, was uns noch fehlt zu unserem Glück seit ihr. Zwar trifft man immer weider die gleichen Radler (die 101 ist ein Traum vieler...!) und das ist nett - zumal wir da einige sehr skurile Menschen und interessante Geschichten kennen lernen. Nur mit Kind haben wir noch niemanden getroffen. Dafür kommt es schon mal vor, dass unser Ruf uns voraus eilt und man uns schon erwartet.



Das Radfahren hier gestaltet sich doch als ganz schön anstrengend, da es doch so manchen steilen Berg zu erklimmen gibt und uns die letzten Tage der Wind von vorne um die Ohren gepfiffen hat. Mein Fahrrad hat schon seine 2. Speiche eingebüst - natürlci im Nieselregen, am Hinterrad an der Seite mit dem Ritzelpaket. So konnte Richard endlich die riesige Kettenpeitsche, die wir 7700 km und 71000 Hm mit uns herumgeschleppt haben, zum Einsatz bringen. In nur 35 Min. war das Rad wieder fahrbereit - am nächsten Fahrradladen kommen wir aber wohl trotzdem nicht vorbei! An dem Mann ist ein Zweirradmechaniker verloren gegangen. Zu unserer Sicherheit haben wir uns mittlerweile auch zwei anständig blinkende Rücklichter angeschafft - ich trags am Trikot und vergess auch schon mal es auszumachen! "I love your flashing lights on your back" - ein ungewöhnliches Statement am Obststand im Supermarkt!



Timon ist nach wie vor ein zufriedenes Kind, wie uns scheint. Jeder wird mit einem strahlenden Lächeln und einem byebye begrüsst, der Anhänger gleicht mehr und mehr einem caotischen Kinderzimmer - ebenso jedes Café etc., wo wir "einfallen". Er weiss schon genau bescheit, wie der Hase läuft - erzählen wir ihm, dass wir im Zimmer (Motel) schlafen wollen, strahlt er über das ganze Gesicht und ruft "Pizza" - denn wenn wir schon mal ins Motel gehen (eine echt typisch amerikanische Sache - wenn die in Deutschland sind, wissen die sich wahrscheinlich gar nicht zu helfen, wenn sie nicht in jedem Café 5 Motels vorfinden...!) gibtsauch ne Pizza - man gönnt sich ja sonst nichts!



Heute haben wir den ganzen Tag im Wald zugebracht. Im Redwood Nationalpark. Die Bäume sind einfach unglaublich und der Wald ne Wucht. Gigantische Stämme von vielen Metern Umfang und bis zu 100 Meter hoch stehen dort wie Elefantenfüsse. Man fühlt sich ganz klein und unbedeutend und kommt aus dem Staunen gar nicht mehre raus. Pausenlos haben wir uns den Hals verrengt, um in die endlos entfernten Baumwipfel zu starren. Stunden oder sogar Tagelang kann man durchlaufen und findet unberührten Urwald, Baumriesen und keine Menschenseele! Wir haben es genossen in die schattige Stille der Redwoods ein zu tauchen - trotz des schönen Sonnenscheins, von dem wir nicht viel gesehen haben. Timon ist mehrere Kilometer selbst gewandert, über Wurzeln geklettert und hat gelernt, in den Bach zu Spucken!



Morgen gehts weiter gen Süden, in 2 Wochen wollen wir in San Francisco sein - da freuen wir uns schon sehr drauf! Fehlen uns noch die zerrissenen Jeans (Udo Jürgens...) - vielleicht kriegt Timon das ja noch hin...!



Wir hoffen es geht euch auch gut und ihr habt einen schönen Herbstanfang...! Wir vermissen euch und freuen uns schon auf euch!

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