Mittwoch, 8. September 2010

Angsthasen?

Sind wir Angsthasen? Sind ein paar hungrige Bären und Mountainlions (eine Pumaart), die kleine Kinder gerne als Snack geniessen schon Grund genug, die gesamte Planung (die zugegeben nicht sehr ausgereift war) über den Haufen zu werfen und die Flucht zu ergreifen? O.K. , die Wahrscheinlichkeit eines der Tierchen anzutreffen ist wohl nicht sehr gross - aber diverse Warnhinweise haben uns gereicht! Da waren die Warntafeln, auf denen Verhaltensregeln und Kampfempfehlungen zu lesen waren und dann noch die Einheimischen, die uns ebenfalls gewarnt haben - die Bären kommen sogar schon teilweise bis zu den Orten runter, da sie im Moment sehr hungrig sind. Wer kann dabei nachts im Zelt schon ruhig schafen.


Und das, nachdem die Radtour gen Westen so gut angefangen hat. Wider erwarten haben wir einen tollen Radweg aus dem Großstadtdschungel Denver herausgefunden und haben gleich in der ersten Nacht im Garten eines netten amerikanischen Paares gezeltet - Pizza, Bier, Sandkasten, heisse Dusche und einen netten Abend inklusive! Am nächsten Tag auf dem Weg in die Rockies haben wir uns dann bei dem Gedanken, tagelang quasi schutzlos durch die Höhle des Löwen zu radeln und wild zu zelten sehr unwohl gefühlt! Also - haben wir einfach mal kehrt gemacht und haben uns schon für den nächsten Tag einen großen Mietwagen organisiert, um die Tour hier am Rande der Rocky Mountains abzubrechen und nach Seattle zu fahren. Das liegt ganz im Norden am Pazifik. Von dort wollen wir dann an der Küste entlang nach Los Angeles fahren.

Nun ist Auto fahren nicht so sehr unser Ding - aber wieder fliegen und noch ein Gepäckstück verlieren - oder 60 Stunden mit der Bahn? Wir haben uns dann doch für das Auto entschieden. So verpassen wir hier nicht alles, was es an wunderschönen Natureindrücken gibt - und Zeit genug haben wir ja. Es ist sechs Uhr abends, wir sitzen bei 97°F (36°C) im klimatisierten Dodge Grand Caravan und gleiten mit grummelndem Motor über die Interstate - schwimmen mit im amerikanischen Autowahnsinn. Das hätten wir uns noch vor zwei Wochen in der norwegischen menschenleeren und kalten Tundra nicht träumen lassen - was für ein Kontrast!!!
Und sonst? Das Wetter beschert uns seit unserer Ankunft hier nur Sonnenschein! Bis gestern war es knalleheiss, dass man es in der Sonne kaum aushalten konnte. Dafür hat es sich heute Abend spontan auf 5 Grad abgekühlt. An den amerikanischen way of life müssen wir uns erst noch gewöhnen (ich weiss nicht, ob uns das gelingt...!) Das Essen bleibt uns öfter Mal im Hals stecken (Würstchen zum Frühstück, weiches Brot, extrem megasüsser Joghurt (nur ohne Fett und Zucker - dafür viiiieeeel künstliches Aroma (was den Originalgeschmack nur selten trifft) und Süssungsmittel. Brrrr.! Alles ist hier soooo riesig - die Autos, die RV's (recreation Vehicel's - Wohnwagen kann man das nicht mehr nennen), die Einkaufszentren, die Pferdeanhänger, die Motorräder (Helme braucht man hier wohl nicht...!), die Entfernungen, so manche Bäuche...!, die Anzahl der Motels in jedem Ort!

Unser schlimmstes Erlebnis bisher: die letzte Nacht auf einem Campingplatz direkt an der Interstate, der Güterbahnlinie und der Einflugschneise gelegen...!

Unser bestes Erlebnis bisher: Die vielen netten Menschen, die nicht nur "How are you" fragen, sondern uns viel unterstützt, beschenkt und eingeladen haben.

Unser lustigstes Schild (und von denen gibt es mehr als genug): Eat beef!!! - und das steht mitten auf der Rinderweide - wie gut dass die Viecher nicht lesen können.

Die Sonne geht hier schon um um halb acht unter und um acht ist es duster - aber dafür sehen wir etwas, wovon wir schon lange geträumt haben: einen unglaublichen Sternenhimmel einschließlich Milchstraße.

Und hier noch ein paar Bilder aus unseren ersten Tagen im Amiland:
























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